GESA MARTEN, Dramaturgie

Warum ist die Montage bei diesem Film so wichtig?

Anders als beim fiktionalen Film, der auf einem ausgearbeiteten Drehbuch beruht, wird beim beobachtenden Dokumentarfilm die „Erzählung“ erst im Schneideraum herausgeschält. Insofern ist die Filmmontage beim Dokumentarfilm von besonderer Bedeutung. Anna hat über einen langen Zeitraum hinweg einen komplexen politischen Vorgang und mehrere daran beteiligte Menschen, unsere sogenannten Protagonisten, mit ihrer Kamera begleitet. Da sie beachtlicherweise Regisseurin, Kamerafrau und Editorin des Films in Personalunion ist, hat Anna sich einen Außenblick auf ihr Material gesichert, indem sie mich von Beginn an als ihre Beraterin für dramaturgische Fragen engagierte. Die Dreharbeiten fanden teils parallel zum Schnitt statt und so tauschten wir uns noch zu Drehende über die „Konstruktion der Geschichte“ und später über Rohschnittfassungen aus. Die besondere Herausforderung bei der Montage dieses Films war es, die große Materialmenge zu durchforsten, um das komplizierte Geschehen und die verschiedenen Perspektiven der Beteiligten darauf in einen unterhaltsamen, emotionalen und zugleich intelligenten und politischen Film zu verwandeln. Ich würde mir wünschen, dass das Publikum sich von diesem Film zur tätigen Mitgestaltung unseres öffentlichen Raums bewegen lässt.